Beiträge von The Outlaw

    Ich gehe genauso wie du davon aus, dass moderne Kernkraftwerke zum Teil noch bessere Systeme haben, aber zumindest die deutschen AKWs hatten bisher wohl auch alle Dieselgeneratoren und Batterien als Backup, die zwar automatisch anlaufen, die aber natürlich von jemandem nach einiger Zeit wieder betankt werden müssen.



    Es ist ja auch komplett widersinnig, davon auszugehen, dass niemand zur Verfügung steht. Nicht mal im Pandemiefall geht man davon aus, dass das ein realistisches Szenario ist.


    Das ist ja an sich eins der gefährlichsten Szenarien, die eintreten können: Dass ein Vorfall auftritt, aber es aufgrund der hohen Infektionsrate nicht genug Leute gibt, die diesen Vorfall und seine Folgen verwalten können. 2020 habe ich dazu etwas gelesen, aber eine bestimmte Risikoanalyse, die sich speziell mit diesem Kernkraftwerkthema befasst hatte, finde ich leider nicht mehr.


    Wenn das Wärmekonvektionsprinzip greift, braucht man ja theoretisch keinen Notstromer, um die Nachzerfallswärme zu verwalten (auch wenn es natürlich besser wäre, wenn es dauerhaft Strom gäbe, denn ich verwette meinen Arsch darauf, dass es ohne Strom langfristig nicht ohne brutale Probleme funktioniert).


    Aber das ist eben nicht der Standard, weder in Deutschland noch in der Welt.




    Was mir bei dem ganzen Thema auch aufgefallen ist, ist der Aspekt, dass bei fast allen Kühlsystemen die entstehenden Druckunterschiede ein Problem sind, entweder durch Überdruck, der nicht entweichen kann und irgendwas kaputt macht, oder durch Unterdruck, Blasenbildung und Hohlräume in den Pumpen. Dieser Wert muss in vielen Reaktoren wohl von Menschen aktiv kontrolliert werden, durch Fließraten von Kühlmittel und die manuelle Steuerung der Ventile, die Dampf entweichen lassen.

    Das ist wohl alles nicht ganz ohne und geht auch in moderneren Kernkraftwerken häufig schief, wenn es zu Störungen kommt. Genauso wie Materialverschleiß, Pumpen, die nicht anspringen, weil sie seit tausend Jahren nicht mehr benutzt wurde, Ventile, die klemmen, Korrosion in wichtigen Bauteilen, etc.


    Bevor ich das alles gelesen habe, habe ich mir die Technik dazu irgendwie anders vorgestellt. ^^


    Ja, das wirkt sehr klempnerisch. Und ist es auch. Das ist ja recht nahe an meinem ursprünglichen Berufsfeld, da haben sich ja nicht umsonst 80 Prozent darum gedreht, wie man verschiedene Flüssigkeiten und Gase/Dämpfe mit verschiedenen Eigenschaften unter verschiedenen Druck- und Volumenstromanforderungen kontrolliert von a nach b sowie über c und d usw. bringt.


    Das ist ein ganz gewaltiger Zweig der Verfahrenstechnik. Und nicht nur in einem Hochrisikoumfeld (schau dir mal die ISS-Vorfälle an. Schau dir AKW-Vorfälle an. Alles dieselben Probleme) bilden Messtechnik, Regelung und Steuerung unter Umständen gewaltige Herausforderungssysteme mit vielen potentiellen Stör- und Fehlerzonen.



    Witzig irgendwie, was aus diesem anfänglichen Gedankenexperiment geworden ist.


    Ja, das finde ich auch.

    Im selben Artikel:


    "Die X-38 war als flügelloser Lifting Body (Auftriebskörper) konzipiert, der im Notfall die Evakuierung der Internationalen Raumstation ermöglichen sollte. Der Gleiter sollte Platz für sieben Personen bieten und mit einer Antriebseinheit zum Verlassen der Umlaufbahn ausgestattet werden. Es war geplant, dass ständig ein solches Crew Return Vehicle (deutsch: Mannschafts-Rückkehrfahrzeug) an der ISS angedockt ist. Wegen zu hoher Kosten wurde die Entwicklung des X-38 jedoch 2002 eingestellt.

    Die Evakuierungsmöglichkeit wurde und wird in der Folge durch die Sojus-Raumschiffe und seit 2020 auch durch die Crew Dragon sichergestellt."



    Es wird mehrfach erwähnt, dass 2x3 Personen bzw. 3+4 Personen durch Sojus-Raumschiffe bzw. selbige plus ein Crew Dragon Raumschiff evakuiert werden können.

    Dass ein Mann zurückbleiben muss, wird in dem Zusammenhang irgendwie entweder nicht erwähnt, oder es existiert eine Alternativlösung.



    "Wenn eine Bedrohung durch Trümmer in der Umlaufbahn so spät erkannt wird, dass kein Ausweichmanöver mehr sicher durchgeführt werden kann, oder wenn ein Zusammenstoß möglich, aber nicht sicher ist, schließt die Stationsbesatzung alle Schotte an Bord der Station und begibt sich in ein Sojus- oder Crew-Dragon-Raumschiff zurück, um dann über eine tatsächliche Evakuation zur Erde zu entscheiden. Solche Teil-Evakuationen ereigneten sich bisher am 13. März 2009, 28. Juni 2011, 24. März 2012, 16. Juni 2015, 22. September 2020 und am 15. November 2021"

    Wikipedia sagt


    "Der Betrieb der Station ist in fortlaufend durchnummerierte, derzeit etwa 6 Monate dauernde „Expeditionen“ unterteilt. Die Teilnehmer der Expeditionen werden „Langzeitbesatzungen“ genannt; daneben können zusätzliche Kurzzeitbesucher an Bord sein. Seit dem 17. November 2020 ist die ISS permanent mit einer Stammmannschaft von 7 Expeditionsteilnehmern besetzt; während der Crewwechsel steigt deren Zahl kurzzeitig auf 10–11. In den Anfangsjahren bestand die Stammbesatzung nur aus 2–3 Personen, zwischenzeitlich aus 6. Eine Übersicht über alle Langzeitbesatzungen gibt die Liste der ISS-Expeditionen."

    Ich antworte mal hier. :)

    Ich habe keinen Schimmer. Man müsste darauf hoffen, dass das Ding manuelle Back-up-Systeme hat, die nicht auf Houston angewiesen sind.


    Ich habe irgendwie überhaupt keine realistische Vorstellung der ISS, merke ich, selbst jetzt, wo ich anfange, mich durch das Thema zu klicken (ich arbeite da in meiner Freizeit auch nicht wirklich systematisch Themen ab, sondern recherchiere ein bisschen hier und ein bisschen da, und so dauert es immer ein bisschen, um die Lücken zu füllen). Zum Beispiel der Zugriff der Astronauten auf Daten.


    Wie funktioniert das da oben? Ich kann mir vorstellen, dass sie in der Lage sein sollten, alle Berechnungen und Verfahren auch lokal einleiten zu können. Etwas anderes ergibt einfach keinen Sinn, wenn man an Sicherheitskonzepte denkt.


    Aber zum Beispiel Wetterdaten: Braucht man die nicht auch zur Entwicklung der Heimkehrroute? Oder bewegen wir uns in Geschwindigkeitszonen, in denen das Ding mit so großer Energie in die Atmosphäre eintritt, das solche Dinge zu vernachlässigen sind?


    Hätte man, falls benötigt, Zugriff auf Wettersateliten?




    Was ich allerdings herausgefunden habe, ist, dass eine Person auf der ISS bleiben müsste, um von da aus den Roboterarm zu steuern, mit dem man das Shuttle aushängt und auf einen sicheren Abstand von der Station bringt, bevor es die ersten Brenner zündet. Da wäre also eine Position für einen unvergessenen, wahren Helden offen. ^^


    Da wird sich schon einer finden. Ich habe den Eindruck, die meisten Astronauten werden auch in solchen Fragen entscheidungsfähig sein.


    Generell haben die garantiert gute Gene. Hoffentlich sind auch Frauen bei den Rückkehrern dabei. ^^



    Ein weiteres größeres Problem, falls alles mit dem Wiedereintritt klappen sollte (was es wahrscheinlich sowieso nicht tut), wäre die Tatsache, dass die Kapsel irgendwo im Atlantik enden würde und sich von dort aus nicht aus eigenem Antrieb bewegen könnte.

    Da wäre für die Person auf der Erde, die sich ganz allein um die Ortung und Rettung kümmern müsste, auch eine ganz schön irre logistische Hausnummer, die ich fast niemandem zutrauen würde.


    Stimmt. Aber vielleicht ist der Erdenmensch ja Schiffskapitän oder sowas.

    Ich habe das schon als aktuelle Konfiguration erkannt, aber nicht gesehen, dass da bereits zwei Fähren angekoppelt sind. Irgendwie erwartet mein Auge etwas, was mehr wie ein Flugzeug aussieht, glaube ich. ^^


    Mich beeindruckt das sehr. Das alles wirkt auch so routiniert und etabliert. Es muss bei sowas ja bereits Standardverfahren und eine gewaltige Logistik geben, und das alles existiert parallel und irgendwie "unbemerkt".


    Wieviele Menschen waren denn bereits da oben, und wieviele sind es jetzt?


    Für unser Szenario wäre das wirklich super, das war noch während des Lesens deines Beitrags auch mein Gedanke. ^^


    Ich hatte überhaupt keine Vorstellung darüber, wie hochfrequentiert die ISS ist und wieviel Verkehr da oben herrscht. Wieviel da oben passiert und wie fortschrittlich das bereits ist.


    Hier unten ist Vieles so dumm und primitiv, und parallel dazu existiert - das.

    Hier ist auch noch ein interessanter Bericht zu dem ganzen Thema:


    https://inis.iaea.org/collecti…ublic/16/075/16075332.pdf


    Der Bericht ist ganz interessant, einerseits weil er fast 40 Jahre alt ist, andererseits weil er offenbart, dass viele Standards sich seitdem nicht in Größenordnungen verändert zu haben scheinen.


    Ich bin allerdings noch nicht ganz durch.



    Insgesamt gehen die Sicherheitsbewertungen aber alle davon aus, dass da irgendwer ist, der irgendwas macht, glaube ich. ^^

    Und sei es nur, nach der Kernschmelze ein paar Pumpen anzuwerfen und weiterzukühlen, damit sich das Material nicht durch den Boden frisst.


    Ja, das ist mir auch aufgefallen.


    Aber wahrscheinlich wäre das auch so. Selbst wenn nach und nach alle Menschen wegsterben.

    Zu dem vorletzten Beitrag: Wir landen eben immer wieder bei Unfällen und Unfallvermeidung. Natürlich führen Vorfälle in reichen Ländern zu einer technischen Evolution.

    Und natürlich gibt es ärmere Länder, in denen das Bewahren von Leben und Gesundheit nicht derartig restriktiv gehandhabt wird, wie wir es erwarten.


    Es bleibt vor allem das hier im Gedächtnis:


    "Nonetheless, numerous RBMKs still operate.

    Though it might be possible to stop a loss-of-coolant event prior to core damage occurring, any core damage incidents will probably allow massive release of radioactive materials."


    Ja.

    Das ist die Realität.