Beiträge von Stone

    Aber so grundsätzlich bin ich eigentlich schlecht ausgerüstet und das fängt schon beim Wasservorrat an. Den habe ich nämlich nicht. Gäbe es kein sauberes, fließendes Wasser mehr, hätte ich schnell ein Problem, weil ich es nie schaffe, Wasser in Flaschen auf Vorrat hier zu haben.

    Bei einem Blackout haben die Wasserwerke Notstromaggregate, die anspringen und erst mal tagelang den Druck halten. Es gibt nur wenige Bereiche in Deutschland, die nicht abgedeckt sind, meistens dünn besiedelt und in Höhenlagen. Ansonsten kann es noch in Hochhäusern vorkommen, dass oben nichts mehr ankommt und man das Wasser unten entnehmen muss.


    Einige Wasserwerke haben auch Karten auf ihrer Homepage, auf denen du sehen kannst, welche Bereiche wie betroffen sind.


    Hier zum Beispiel:



    https://www.gelsenwasser.de/wa…rsorgung-bei-stromausfall


    Natürlich macht es trotzdem Sinn, einen gewissen Wasservorrat im Haus zu haben. Aber auch hier gilt wieder: Die Situation würde sich in der Realität wahrscheinlich gar nicht so dramatisch darstellen, wie man im ersten Moment denkt.


    Dazu gibt es auch noch Bundesnotbrunnen als "Wasserversorgung im Verteidigungsfall".

    Die sorgt dafür, dass man jeden Bundesbürger einen Monat lang täglich mit 15(!) Litern Trinkwasser pro Person versorgen kann. Ich habe jetzt auch gelernt, dass man da nicht mal hinlaufen muss, um Wasser zu holen, sondern die fahren mit Tankwagen herum. Voll nett. ^^



    Genauso schnell wäre ich aufgeschmissen was meine Vorräte betrifft, wenn es keinen Strom mehr gäbe. Nudeln und Reis sind schön und gut - aber wenn ich sie nicht kochen kann ...

    Dann bring deine Nudeln und ein bisschen Brennmaterial rüber zum Nachbarn, der gerade ein gutes Feuer am Laufen hat. ^^

    Das mit den Socken habe ich bisher auch noch nirgends gelesen.

    Die ganzen Details stammen von Piers Paul Read, der in enger Zusammenarbeit mit den Überlebenden das Buch "Alive" veröffentlicht hat.


    Zitat

    In time they used corpses as Laps use reindeer: for everything. The expeditionaries appropriated arm flesh to replace their hiking socks, heels fitted in elbow skin. Innards—brain, lungs—were discarded at first. Later appetites became finicky; they craved new taste sensations. Even rottenness was piquant.


    https://www.nytimes.com/1974/0…e-andes-survivors-by.html

    Ah, stimmt. Das war auch Hammer, wie er dann oben steht.

    Gerade in der Extended-Version, die du gesehen hast, ist man so lange da unten am Grund. Der Film nimmt sich so unglaublich viel Zeit dafür, den Druck und die Enge aufzubauen, die schwindende Atemluft, die Hoffnungslosigkeit, das langsame Sterben.


    Und dann im Kontrast dazu das Freibrechen durch die Wasseroberfläche. Sauerstoff, Euphorie, Gischt, kalte Luft, Leben.

    Man hat auf gewisse Weise selbst beim Zuschauen das Gefühl, wieder atmen zu können.


    Der ganze Soundtrack ist eh Kult.

    Zurecht.

    Es geht in dem Film um den Fuerza-Aérea-Uruguaya-Flug 571 welcher mit einer Rugby Mannschaft an Board in den Anden abstürzte. Am Bekanntesten wurde der Fall wohl dadurch, dass beim Überlebenskampf der Passagiere Kannibalismus zum Thema wurde. Ich kannte die ganze Thematik vorher noch, aber ich denke jetzt werde ich ein wenig mehr zu googlen zu den wahren Ereignissen auf denen der Film beruht. Der Flugzeugabsturz im Film bleibt mir denke ich besonders in Erinnerung, da er ziemlich brutal dargestellt worden ist.

    Über den Fall haben wir uns mal vor hundert Jahren kurz hier unterhalten:

    Der große Schattenseiten-Halloween-Gruselthread


    Die Neuverfilmung ist mir auf Netflix auch schon aufgefallen, aber ich habe mir den Film bisher noch nicht angesehen. Muss ich mal nachholen.

    Mir hing der Film noch eine ganze Weile nach.

    Den Effekt kenne ich auch. Der Film hat eine Stimmung, aus der man nur langsam wieder rausfindet.


    Oder der Moment, wo das erste Mal das Sonar (bzw. dessen Vorläufer) zu hören ist.

    Die Szene finde ich auch extrem eindrucksvoll.



    Mein Lieblingsmoment sind aber die paar Sekunden, in denen das Boot durch die Wasseroberfläche bricht, nachdem es so lange bei Gibraltar auf Grund gelegen hat. Dieser Augenblick ist so verdammt kathartisch und befreiend.

    Und der Soundtrack dazu ist in diesen zehn Sekunden auch einfach perfekt. :)

    Der Schmerz selber hält sich in Grenzen, aber ich fühle mich total schlapp davon und habe die Befürchtung, dass durch die Bewegung der Schmerz schlimmer wird und mir noch mehr Kraft geraubt wird.

    Dann ist es bestimmt wirklich gut, wenn du dich heute schonst.


    Gute Besserung, Phinia.

    Und vermutlich reicht es, Plünderer abzuschrecken (für gewöhnlich dirch bloße Anwesenheit). Im Falle des Bergdorfes kommt da eh keiner hin. Die dortigen Herausforderungen sind viel alltäglicher.

    Ja.


    Ich muss auch gerade an die Ukraine denken, wo Plünderer in manchen Orten an Straßenlaternen gebunden wurden, bis sie verhungert sind oder weggebombt wurden. Nenn mich ruhig ein Weichei, aber so geht man meines Erachtens nicht mit Gefangenen um. Ich weiß, dass das zur Abschreckung dient, und die Wirkung ist auch ganz bestimmt nicht zu unterschätzen, aber man definiert damit eben auch das Rechtssystem, das in der Gemeinschaft herrscht.

    Und man muss auch davon ausgehen, dass diese Aufweichung der ethischen Systeme etwas mit Einzelpersonen macht, weil es immer Leute geben wird, die sich dadurch bevollmächtigt fühlen, noch unethischer vorzugehen, weil sie eine Linie zu erkennen glauben.


    Siehe Krieg im Kosovo zum Beispiel. Menschen sind sehr instabil, was das alles betrifft. Das artet so unglaublich schnell aus. Jeder erlebte Gewaltakt wird in Krisensituationen gespiegelt und gesteigert. Es gibt ganz wenige, die diesem Effekt nicht unterliegen, wenn sie mitten in der Situation sind.

    Zumindest wiegt in beiden Situationen der Wunsch, den eigenen Besitz zu retten, schwerer als die aktuelle Bedrohungslage.


    Das Zeitfenster ist, wie du sagst, ein ganz anderes, aber Handgepäck ist auch nicht so viel wert. Eine Tasche mit Elektrogeräten und Bargeld, die man kurz noch mitnehmen will, reicht für die Affektentscheidung schon aus, und es kostet nur eine Minute – und im Gegensatz dazu ist ein Bauernhof vielleicht alles, was man hat, und dadurch steigt das Risiko-Zeitfenster enorm, das man dafür zu zahlen bereit ist.

    Man kann Synergien erlauben und Nutznießen - und dennoch einem Plünderer die Beine brechen.

    Ich denke, das Wichtigste in einer solchen Situation ist, dass man sich auf Prosoziales konzentriert und das Beinebrechen möglichst gering hält. Man tut sich einfach selbst keinen Gefallen damit, wenn eine Gemeinschaft verroht, weil sie hohem Stress von außen unterliegt.


    Das ist so ein bisschen wie mit Individuen auch. Es gibt solche, die traumatische Erfahrungen erleben und psychisch stabil bleiben, und es gibt solche, in denen irgendwas bricht und die danach keine gesunde Impulskontrolle oder Empathiefähigkeit mehr haben.

    Eine Gemeinschaft von Menschen kann meines Erachtens in ihrer Gesamtheit ähnliche Entwicklungsschritte durchmachen und man muss gerade in einer Ausnahmesituation, die moralisch ein bisschen haarig ist, stark darauf achten, dass das nicht passiert.

    Primär ist das eher eine Art "abstraktes Absichern", weil ich mich nicht verlaufen will (schon garnicht vor Dritten ^^). Aber für den Rauch-/Brandfall ist das auch praktisch, und insgesamt fühlt sich das nach einem weichen, aber stimmigen Sicherheitskonzept an.

    Das ist ja auch sinnvoll.


    Mein Sicherheitsbedürfnis ist tendenziell gering, deshalb mache ich sowas nicht. Das führt dazu, dass ich sehr früh morgens, wenn ich verpeilt und im Halbschlaf bin, gerne mal erst in die falsche Richtung laufe, wenn ich mein Zimmer verlasse.

    Ich glaube aber trotzdem nicht, dass ich durch einen Hotelbrand sterben werde. Und wenn es so ist, ja, okay, zwei Wochen später wäre ich wahrscheinlich bei einem Autounfall gestorben, also was soll's. ^^

    Menschen tendieren dazu, auch dann nicht zu gehen, wenn es von außen betrachtet Sinn machen würde, weil sie ihrem Besitz vor Ort eine hohe Priorität einräumen und einfach auch ein bisschen unflexibel sind.

    Was mir dazu gerade noch einfällt: Menschen, die bei einer Flugzeugevakuierung ihr Handgepäck aus den Bins kramen und den Verkehr aufhalten. Das gleiche Prinzip.

    (Disclaimer: Ich habe erst auf deinen Beitrag geantwortet und dann random gebrainstormt. Das bezieht sich nicht mehr alles auf das, was du geschrieben hattest.)



    Es gibt irgendein österreichisches Dorf, das durch einen Erdrutsch isoliert worden ist, weil die einzige Zufahrtsstraße zerstört worden ist und die Notstraße für KFZ auch nicht befahrbar ist. Das geht jetzt schon eine ganze Weile (Monate?) so, und das ist natürlich eine große Herausforderung für alle Beteiligten Helfer, Retter und Einwohner.

    Obwohl man dabei ja bedenken muss, dass die Leute freiwillig dableiben, obwohl ihnen Ersatzunterkünfte angeboten wurden. Der Zustand vor Ort scheint also nicht so wahnsinnig unerträglich zu sein.


    Das lässt sich meines Erachtens auch auf viele andere Krisensituationen übertragen. Menschen tendieren dazu, auch dann nicht zu gehen, wenn es von außen betrachtet Sinn machen würde, weil sie ihrem Besitz vor Ort eine hohe Priorität einräumen und einfach auch ein bisschen unflexibel sind. Sich vielleicht auch insgesamt im Leben so aufgestellt haben, dass ihr ganzer Besitz an einem Ort festhängt.


    Irgendwann wird die Schwelle natürlich für jeden überschritten, aber Hochwasser oder ein Erdrutsch und ähnliche Katastrophen lösen sowas häufig nicht aus, weil der Leidensdruck nicht hoch genug ist, selbst wenn der Strom ausfällt und Einsatzkräfte nur bedingt helfen können. Viele Menschen erreichen da einfach nicht diese Grenze, weil die Auswirkungen der Krise dann in der Situation doch als handhabbar empfunden werden. Zumindest als handhabbar genug, um sich dem auf unbestimmte Zeit weiter auszusetzen und den Besitz zu sichern.



    Oftmals haben solche Krisen auch einen positiven psychologischen Effekt auf die Betroffenen. Das ist nicht standardmäßig ein Hauen und Stechen um Ressourcen und ein ätzender, egoistischer Ausdruck von Menschlichkeit, sondern sehr oft finden sich da Leute zusammen und helfen sich gegenseitig. Einige blühen bei sowas sogar auf, weil sie ihre Leistung in etwas investieren, das motivierender wirkt als das, was sie normalerweise tun. Das führt natürlich auch dazu, dass Menschen dableiben.


    Es macht Spaß, sich gegenseitig zu helfen, Probleme zu lösen, sich den Rücken zu stärken, neue Fähigkeiten an sich selbst zu entdecken, die man vorher nie gebraucht hätte, oder der Oma von nebenan einen Wasserkanister mitzubringen, den sie dringend benötigt. Das schweißt zusammen und es verleiht Sinn. Es fühlt sich besonders an. Anders als das, was man kennt. Man kann sich dabei selbst ein bisschen beim Wachsen zusehen, weil es so neu ist und so vieles verändert.


    Der Nachbar, der vorher so abweisend im Treppenhaus war, hat vielleicht einen Campingkocher und du hast eine Dose. Und er hat eine Mutter, die er pflegt, und du kannst helfen. Not knüpft Verbindungen, die deutlich stärker sind, weil auch die emotionalen Spiegelungen viel stärker sind und weil alle in einem Boot sitzen.

    Und diese Verbindungen in Kombination mit Improvisation tragen unglaublich weit, selbst wenn anfangs niemand vorbereitet war, weil sich da einfach durch Hilfe und Gegenhilfe mit der Zeit ein Netz bildet, das stark genug ist, um sehr vieles abzufangen, was man als Einzelperson mühsam 'preppen' müsste.


    Ich denke also insgesamt, man kann mit dem Kauf von Zusatzausrüstung eine gewisse Bequemlichkeit in der speziellen Situation erhöhen, in der man die Ausrüstung benötigen könnte, aber die Wahrscheinlichkeit ist eben auch hoch, dass man dann am Ende doch lieber keine Jodtabletten gehabt hätte und lieber noch eine Flasche Whisky, um sie abends mit dem Nachbarn zu teilen, der einem freundlicherweise einen Wasserkanister mitgebracht hat.


    Gerade dann, wenn man sich nicht einfach alles kaufen will, denke ich, dass man sich lieber klarmachen sollte, dass man höchstwahrscheinlich mit den Basics klarkommen wird, wenn man halbwegs clever agiert. Alles andere ist für mich ein Luxus-Zusatz für spezielle Szenarien. Wie die Brandfluchthaube im Koffer.

    Und bei mir ist es ähnlich wie bei dir, dass ich mich absolut nicht als prepper bezeichnen würde. Die Essensvorräte hatte ich auch schon immer. Ich wurde sehr konservativ erzogen und bin so eine typische Hausfrau / Oma, die jedem Gast 1000 Sachen auftischt. Da muss man schon immer was im Haus haben. Könnte ja auch spontan Besuch kommen 😅

    Praktisch.

    Wenn ich Gäste habe, kann ich maximal Chips und Süßkram auftischen. ^^


    Für einen Lockdown oder sowas hätte ich allerdings auch noch Unmengen von Dosen und anderem haltbaren Zeug im Schrank. Das würde bei Bedarf für eine halbe Ewigkeit reichen.


    Ich denke nur, es schadet nicht, zu wissen, wo man Unterschlupf finden könnte oder wie man sich zu verhalten hat.

    Das Gute ist ja, dass man bei sowas wie einem längeren, flächendeckenden Stromausfall davon ausgehen kann, dass die jeweiligen Länder Notfallpläne haben, die nicht damit rechnen, dass die Bevölkerung gut vorbereitet ist. Die meisten Haushalte werden die Basics haben: Lebensmittel für eine Weile, Jacken und Decken, rudimentäres medizinisches Material, Kerzen und/oder Taschenlampen und sowas. Eben den üblichen Haushaltskram, aber keine Sonderausrüstung.


    Wenn du halbwegs fit bist, kommst du damit in den ersten Wochen ziemlich problemlos hin, und genau das ist der Zeitraum, den die Bundesregierung gerne in einem solchen Fall abgedeckt sehen würde, weil anfangs nicht viel Unterstützung kommen wird. Verständlich. Erst mal müssen halt die akuten Sachen versorgt werden und man geht davon aus, dass ein normaler Mensch mal ein paar Tage mit dem Kram durchhalten kann, den er gerade hat, ohne dass man ihn auch noch babysitten muss.


    Ein gesunder Mensch käme zur Not ja sogar mal eine Woche lang mit einer Packung Toast aus. Alles kein Drama. Es wird dabei auch sehr viel Vertrauen in nachbarschaftliche Unterstützung gelegt. Man geht davon aus, dass Leute die Oma nebenan nicht verhungern lassen, wenn die nur noch drei Scheiben Brot im Haus hat.


    Kommunikation läuft dann ganz simpel über Lautsprecherdurchsagen und Aushänge an öffentlichen Gebäuden und gegebenenfalls Ansprechpartner vor Ort. Du wirst also nicht von allen Infos abgeschnitten sein. Plus Mund-zu-Mund-Verbreitung von Infos.

    Danach werden die üblichen Auffangzentren eingerichtet, die du von Flutkatastrophen kennst. Turnhallen, Konzertsäle und sowas. Für diejenigen, die nicht mehr klarkommen und Hilfe brauchen.


    Gemeinden sind auch standardmäßig angehalten, in einem solchen Fall eine Backup-Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Zur Not musst du dann halt täglich irgendwo hinrennen und dein Wasser holen, aber du solltest nicht darauf angewiesen sein, verzweifelt für Regen zu beten oder olles Wasser reinigen zu müssen oder sowas.


    Das alles ist nicht schön, aber du wirst auch unvorbereitet zurechtkommen, denn der Notfallplan geht, wie gesagt, davon aus, dass du unvorbereitet bist.

    Und damit sind dann erst mal ein paar Wochen abgedeckt. Du isst deine Dosen, hilfst Schwächeren, sammelst Informationen, wartest ab.


    Und dann ist es höchstwahrscheinlich, dass irgendwann alles wieder hergestellt wird. Das Risiko, dass sowas mehrere Wochen lang dauert, ist einfach ... na ja, nicht so wirklich vorhanden, würde ich mal sagen.