Frag einen Piloten

  • Den Thread finde ich super. :thumbup:


    Ist es nicht ein komisches Gefühl, so völlig blind zu sein, wenn man mit einer Höllengeschwindigkeit durch Wolken fliegt? Und wie ist das beim Landen im Nebel, wenn man gar nichts sieht? Das muss doch erstmal ein total ungutes Gefühl sein, oder? Gewöhnt man sich schnell daran?

  • Ist es nicht ein komisches Gefühl, so völlig blind zu sein, wenn man mit einer Höllengeschwindigkeit durch Wolken fliegt? Und wie ist das beim Landen im Nebel, wenn man gar nichts sieht? Das muss doch erstmal ein total ungutes Gefühl sein, oder? Gewöhnt man sich schnell daran?

    Das Landen per Autopilot ist wirklich ein wenig seltsam. Jedes Mal. Gerade dann, wenn man bis zum Boden gar nichts sieht und der Radio-Höhenmesser runterzuzählen beginnt.

    Oft sieht man erst die Lichter, nachdem die Räder den Boden berührt haben. Ich fühle mich in solchen Momenten schon ziemlich abhängig von dem System, weil ich es nur begrenzt überprüfen kann und eine Reaktionszeit habe.
    Man schaut dabei irgendwann nur noch auf die Instrumente und ist getriggert darauf, bei jeder Abweichung sofort durchzustarten. Das geht auch noch, nachdem die Reifen den Boden berührt haben. Wenn die Sinkrate zu hoch ist, 'bounced' das Flugzeug sowieso, das heißt, es prallt ab und fliegt wieder und spätestens dann sollte man von Hand übernehmen.

  • Für Hochgeschwindigkeiten durch Wolkenschichten gibt es geschützte Lufträume. Die befinden sich zum Beispiel trichterförmig um jeden größeren Flughafen, damit Verkehrsmaschinen vom Boden aus in einer Art Schutzzone bleiben. Jeder Verkehrsteilnehmer, der sich dort bewegt, wird von Fluglotsen kontrolliert und verfügt über ein bordseitiges TCAS, das Ausweichmanöver berechnet, wenn Lotsen einen Fehler machen.


    Es gibt allerdings auch internationale Flughäfen in Deutschland, die zu schmale Schutzzonen haben. Bremen, Dresden, Leipzig, etc. Dann fliegt man in Lufträume ein, in denen im schlimmsten Fall auch Zahnärzte in Segelflugzeugen unterwegs sein können, die kein TCAS besitzen und keinen Funkkontakt zur Flugsicherung halten müssen. Die müssen offiziell ... ich glaube: fünf (oder acht?) Kilometer Abstand von Wolken halten, damit man noch reagieren kann, wenn eine Verkehrsmaschine da durchkommt.

    Da gibt's aber immer wieder Vorfälle, in denen das nicht eingehalten wird. Dadurch fliegt man in solchen Lufträumen standardmäßig langsamer, um wenigstens eine Chance zu haben.

  • Das Landen per Autopilot ist wirklich ein wenig seltsam. Jedes Mal.

    Oh, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Hatte mir vorgestellt, das wird irgendwann völlig zur Routine. Aber so oft wird das wahrscheinlich gar nicht vorkommen, oder?


    Aber theoretisch kann so ein Flugzeug also komplett selbständig landen? Wenn alle Personen, die Ahnung davon haben, im Koma liegen, kann Tante Trude sich erklären lassen, welche Schalter und Hebel sie betätigen muss, und das Ding kommt tatsächlich heil unten an?

  • Es gibt allerdings auch internationale Flughäfen in Deutschland, die zu schmale Schutzzonen haben. Bremen, Dresden, Leipzig, etc. Dann fliegt man in Lufträume ein, in denen im schlimmsten Fall auch Zahnärzte in Segelflugzeugen unterwegs sein können, die kein TCAS besitzen und keinen Funkkontakt zur Flugsicherung halten müssen. Die müssen offiziell ... ich glaube: fünf (oder acht?) Kilomter Abstand von Wolken halten, damit man noch reagieren kann, wenn eine Verkehrsmaschine da durchkommt.

    Da gibt's aber immer wieder Vorfälle, in denen das nicht eingehalten wird. Dadurch fliegt man in solchen Lufträumen standardmäßig langsamer, um wenigstens eine Chance zu haben.

    Schluck... ich weiß gar nicht, ob ich noch mehr Insider-Storys von dir hören will... ^^

  • Aber so oft wird das wahrscheinlich gar nicht vorkommen, oder?

    Nein, das ist eher selten. Zehn mal pro Jahr vielleicht.



    Aber theoretisch kann so ein Flugzeug also komplett selbständig landen? Wenn alle Personen, die Ahnung davon haben, im Koma liegen, kann Tante Trude sich erklären lassen, welche Schalter und Hebel sie betätigen muss, und das Ding kommt tatsächlich heil unten an?

    Wenn Tante Trude genug Sprit hat, ein Flughafen erreichbar ist, der automatische Landungen anbietet, dieser entsprechend vorbereitet wird, der Wind nicht zu stark ist und das Flugzeug in technisch einwandfreiem Zustand ist, könnte man Tante Trude über Funk Anweisungen geben, um die Maschine vom Autopiloten landen zu lassen.


    Ich finde es immer noch seltsam, dass Flugbegleiter bei uns nicht ins diese Basics eingewiesen werden. Einfach nur einen Kopfhörer aufsetzen und lernen, wie man den Funk bedient, um jemanden an die Hand zu bekommen, der sagt, was man machen soll.


    Der Helios-Unfall wäre so vielleicht anders ausgegangen.

  • Wenn Tante Trude genug Sprit hat, ein Flughafen erreichbar ist, der automatische Landungen anbietet, dieser entsprechend vorbereitet wird, der Wind nicht zu stark ist und das Flugzeug in technisch einwandfreiem Zustand ist, könnte man Tante Trude über Funk Anweisungen geben, um die Maschine vom Autopiloten landen zu lassen.

    Spannend.


    Aber ein Pilot könnte sicher auch ohne Autopilot im Nebel landen, oder? Was wird gemacht, wenn ein Flughafen, der keine automatischen Landungen anbietet (was muss dafür vorhanden sein?), im dicksten Nebel liegt? Wird das Flugzeug zu einem anderen Flughafen umgeleitet, oder landet der Pilot manuell?

  • Aber ein Pilot könnte sicher auch ohne Autopilot im Nebel landen, oder?

    Um ein Flugzeug zu landen, braucht man eine gewisse Sicht nach draußen. Man arbeitet mit dem Boden, den man sieht, und wenn es nur Lampen sind.



    Was wird gemacht, wenn ein Flughafen, der keine automatischen Landungen anbietet (was muss dafür vorhanden sein?), im dicksten Nebel liegt?

    Dann wird nicht gelandet.


    Ein Flughafen muss dafür unter anderem die technischen Voraussetzungen anbieten, in doppelter Ausführung – also jedes Funkfeuer, jedes Element eines Instrumentenlandesystems, sogar jede Lampe, muss, wenn es ausfällt, sofort durch ein Back-up ersetzt werden, das von einer Back-up Stromversorgung gespeist wird.

    Hinzu kommt, dass das komplette Gebiet von Störungen freigehalten werden muss, die den Funkkontakt verwässern könnten. Keine Bäume, keine Masten, keine Fahrzeuge, die irgendwo rumrollen, keine anderen Flugzeuge, etc.


    Das Flugzeug muss ebenfalls komplett technisch auf der Höhe sein. Die Liste der Systeme, die für eine automatische Landung funktionieren muss, ist lang, und wenn eins kurzzeitig rumspinnt, wird durchgestartet.

    Wird das Flugzeug zu einem anderen Flughafen umgeleitet, oder landet der Pilot manuell?

    Wie gesagt: Man darf gar nicht manuell landen, wenn eine gewisse Sichtweite unterschritten wird.



    Sonst passiert möglicherweise das hier:

  • Das Foto ist von einer automatischen Landung in München. Der Flughafen hat die nötigen Freiräume nicht freigehalten, und dadurch kam das Flugzeug zu schnell von der Bahn ab,. Die Piloten konnten wahrscheinlich nicht rechtzeitig eingreifen, weil sie zu wenig sahen.

  • Helios-Unfall

    Ich hab jetzt nur mal kurz darüber nachgelesen... die Doku dazu sehe ich mir später mal an.


    In dem Fall hätte die Person, die kurz vor dem Absturz ins Cockpit kam, aber wohl auch nichts mehr rausreißen können, denke ich. Oder?


    Und verstehe ich das richtig - Im Grunde genommen stand da nur ein blöder Schalter im Cockpit falsch, und die sind nicht darauf gekommen, dass man den umlegen muss? Das ist ja heftig...

  • In dem Fall hätte die Person, die kurz vor dem Absturz ins Cockpit kam, aber wohl auch nichts mehr rausreißen können, denke ich. Oder?

    Doch. Ich denke schon.

    Und verstehe ich das richtig - Im Grunde genommen stand da nur ein blöder Schalter im Cockpit falsch, und die sind nicht darauf gekommen, dass man den umlegen muss? Das ist ja heftig...

    Das Problem an der Sache war, dass Hypoxie, also höhenbedingter Sauerstoffmangel im Gehirn, unmerklich verläuft und sich ähnlich auswirkt wie starker Alkoholkonsum: Das Denken wird verlangsamt, der Betroffene fühlt sich euphorisch, Entscheidungen werden irrational.

  • Ich hatte das einmal beim Flugtraining in Phoenix. Wir waren zu dritt, der Fluglehrer, ein anderer Flugschüler und ich. Wir sind extrem hoch geflogen, weil es so heiß war, und irgendwann, nach einer halben Stunde oder so, waren wir total drauf. Wir haben über jeden Scheiß gelacht und nur noch Bullshit geredet.

    Und das war nur die leichte Form davon.

  • Das Problem an der Sache war, dass Hypoxie, also höhenbedingter Sauerstoffmangel im Gehirn, unmerklich verläuft und sich ähnlich auswirkt wie starker Alkoholkonsum: Das Denken wird verlangsamt, der Betroffene fühlt sich euphorisch, Entscheidungen werden irrational.

    Das kennt man ja auch von Berg-Unfällen in großer Höhe. Tragisch, was für unsinnige Handlungen und Fehlentscheidungen da manchmal zu Katastrophen führen, die leicht hätten vermieden werden können.

  • Und jetzt hat es sich chronifiziert bei dir... :P

    :D


    Ich bin schuld, dass Flugschüler in Phoenix inzwischen ein Barometer auf Solo-Flüge mitnehmen müssen, damit ihre Maximalhöhe nachträglich überprüft werden kann.

    Kein Witz.

    Ich habe mal Ärger von der Airforce gekriegt, weil ich mich nicht an die oberen Luftraum-Abgrenzungen in Trainings-Areas gehalten habe.

    • :flower:
    • kqjdhakjhdjak
    • adjhkahhka
    • bajhjkadhka
    • dnajkhak
    • ndkjahjakjhkw
    • bjahkjhekjhek
    • nhdakhkjhaea
    • nwjkahkehakhe
    • :*
    • adlkjdajdjall
    • 8o
    • =O
    • <X
    • ||
    • dlkjjaljlajdljdlkajlkdla
    • :S
    • X/
    • 8)
    • ?(
    • :rolleyes:
    • :love:
    • 8|
    • :cursing:
    • :thumbdown:
    • :thumbup:
    • :sleeping:
    • :whistling:
    • :evil:
    • :saint:
    • <3
    • :!:
    • :?:
    Maximale Anzahl an Dateianhängen: 10
    Maximale Dateigröße: 1 MB
    Erlaubte Dateiendungen: bmp, gif, jpeg, jpg, pdf, png, txt, zip
      Du kannst die Antworten mittels Drücken und Festhalten in ihrer Reihenfolge ändern. Du kannst 20 Antwortmöglichkeiten vorgeben.
      Das Ergebnis ist erst mit dem Ablauf der Umfrage oder der Abgabe einer Stimme sichtbar.