Eure (psychischen) Reaktionen auf ...

  • Müsste nicht aber eigentlich eine tiefe Reaktion erfolgen?

    Das hängt wahrscheinlich stark davon ab, wie sehr man emotional mit dem Menschen verbunden ist und wie viel Raum die resultierende Lücke einnimmt.


    Um ganz ehrlich zu sein (und ich hoffe, ich trete dir damit nicht zu nahe): Du bist ja jetzt auch nicht unbedingt ein Mensch, der regelmäßig die tiefsten und innigsten Verbindungen knüpft, soweit ich mich erinnere. Die ausbleibende 'tiefe Reaktion' könnte meines Erachtens eine Folge davon sein – ohne jetzt zu wissen, ob ich diesem speziellen Kontakt damit vielleicht Unrecht tue. Es ist nur eine mögliche Erklärung, die mir gerade in den Sinn gekommen ist.

  • Ja.

    Das trifft in die richtige Richtung, Stone.


    Irgendwie glaube ich, das sollte irgendwie anders sein. Das klingt jetzt blöd, aber ich glaube, dass das Maß an hm "gemeinsamer, bindungsschaffender Zeit/Aktivität" in unangemessenem Verhältnis steht zu dem Maß an "innerer Verflochtenheit als Folge dieser bindungsschaffenden Dinge meinerseits".


    Mir wird das durch diese Situation sehr bewusst, wie wenig da eigentlich ist.



    Es war mal Thema hier im Forum, dass manchmal so punktuell diese soziale Wärme generiert wird, wenn mit Menschen zusammengesessen wird und zB. eine Einladung ausgesprochen wird. Dass die Einladung Mittel zum Zweck ist und nicht innerlich wirklich ernstgemeint.


    Das, was ich wahrnehme in dieser Sache, ist ähnlich. Schwer zu beschreiben.

  • Ich wollte das Thema eigentlich etwas meiden, aber dir trotzdem da lassen, dass das überhaupt nicht nach Freak klingt und du dir das bloß nicht einreden solltest.

    Jeder Mensch ist anders und reagiert/fühlt anders. Das sollte niemand bewerten - steht auch niemandem zu.

    Vielleicht kann ich das nicht zu hundert Prozent verstehen, aber mach dir selbst nicht so einen Druck, weil etwas anderes "erwartet" wird oder so.

    Euch trotzdem viel Kraft :flower:

  • Hm, ich finde, es gibt so viel unterschiedliche Arten zu trauern, oder mit dem Tod eines nahestehenden Menschen umzugehen, das kann man überhaupt nicht verallgemeinern.

    Wenn man jemanden begleitet, der schon lange krank ist, und wo es klar ist, dass er in einer gewissen Zeit sterben wird, dann ist es oft so, dass man es eher als Erlösung empfindet, wenn derjenige geht.

    Als Erlösung für den Sterbenden und auch als Erlösung für einen selbst.

    So habe ich das jedenfalls bei meinem Schwager erlebt.

    Richtige Trauer habe ich, glaube ich, auch nicht wirklich empfunden, weil er mir nicht wirklich total nahe stand. Er war der Mann meiner Schwester, aber ich fühlte mich ihm nicht besonders nahe. Ich denke manchmal an ihn in bestimmten Situationen.

    Dass man sich mit den möglichen eigener Erkrankungen und damit vielleicht mit dem eigenen Tod beschäftigt, finde ich auch total normal.

    Intensive Trauer habe ich bei dem Tod von meinem Ex empfunden, der plötzlich starb.


    Bei meiner Mutter war es ein emotionales Gemisch aus allem möglichen, verbunden mit Erleichterung, Schuldgefühlen und unverarbeiteten Erinnerungen. Trauer konnte man das auch nicht nennen.

  • (...)

    Dass man sich mit den möglichen eigener Erkrankungen und damit vielleicht mit dem eigenen Tod beschäftigt, finde ich auch total normal.


    (...)

    Das glaube ich auch. So präsent ist das Thema ja im "normalen Alltag" nicht und wenn es so nahe kommt, können die Gedanken schon fast automatisch in diese Richtung kommen.

    Sicherlich nicht bei jedem Menschen, aber das ist es ja nie ^^

  • Müsste nicht aber eigentlich eine tiefe Reaktion erfolgen?

    Ein anderer Gedanke, der mir dazu noch eben unter der Dusche kam:


    Zu großen Teilen sind Erfahrungen und Erziehung dafür verantwortlich, wie sehr man sich auf solche Emotionen einlässt. Das ist oftmals Nurture, nicht Nature.


    Bereits in der Kindheit erlernt man ja immer wieder, ob es einen Nutzen hat, sich in negative Emotionen zu ergeben oder ob man sie besser wegdrückt. Man verinnerlicht die Strategien, die einem etwas bringen, und das kann je nach Umfeld sehr unterschiedlich sein.


    Manche Menschen lernen, dass sie regelmäßig Unterstützung bekommen, je deutlicher und dramatischer sie ihre Emotionen äußern ("Ach, warum weinst du denn, kleine Becky? Komm mal her in meinen Arm"), und manche Menschen bekommen häufig vermittelt, dass das unangemessen ist ("Ein Indianer kennt keinen Schmerz").

    Und das zieht sich ja auch später in der Jugend und im Erwachsenenalter weiter durch, in all den sozialen Rollen, die man so einnimmt.


    Soweit ich weiß, war in deiner Kindheit und Jugend ja auch eher Letzteres der Fall. Das Zeigen von Emotionen war keine Strategie, die positive Effekte hatte. Und diese Lerneffekte verfestigen sich dann natürlich immer weiter. Man hält gewisse Gefühle irgendwann nicht nur nach außen zurück, sondern auch nach innen, denn sie bringen ja sowieso nichts. Man gewöhnt sie sich quasi ab.


    Dadurch wird man leistungsfähiger und resilienter in Stresssituationen, das ist der Vorteil. Der Nachteil ist eben, dass man nicht mehr diesen natürlichen Kontakt zu sich selbst hat. Dass man verdrängt, ausblendet, ignoriert, emotional verflacht und eventuell irgendwann zu viel in sich hineinfrisst, ohne es zu bemerken.


    Umgekehrt ist es bei Menschen, die zu stark erlernt haben, das Erfahren und Ausleben von Emotionen als Primärstrategie anzuwenden, häufig so, dass sie in Situationen, in denen Handlungsfähigkeit gefragt ist, gerne mal unbrauchbar werden, weil sie eben damit beschäftigt sind, ihre negativen Gefühle zu signalisieren und darauf warten, dass jemand sich kümmert.

    Das ist dann halt das andere Extrem.

  • Ja.


    Darüber habe ich auch nachgedacht. Das wird schon zutreffen, eben auch insgesamt in Sachen "Kontaktbindung".


    Es ist eben am Ende einfach nicht tief, sondern spielt sich auf einer sachlicheren Ebene ab.


    Ich weiß, dass ich das auch in Ausnahmefällen anders kann; mich verwundert vielleicht deshalb ein wenig, wie sich das in dieser Sache nun anfühlt.

  • Manchmal kommt die tiefere, heftige Reaktion auch erst zeitverzögert. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht weil es eine Zeit dauert, bis man begreifen kann, was passiert oder vielleicht ist das auch eine Art Selbstschutz, dass die tiefe Reaktion erst später kommt.


    Das erwarte ich in dieser Sache nicht, ist aber etwas, was ich im Alltag häufiger erlebe. Dann reagiere ich um ein paar Tage verzögert. Als würden Emotionen manchmal erst ein paar Formulare einreichen müssen, um raus zu dürfen. ^^

  • Soweit ich das gelesen habe, war er ja auch eher eine Art Belastung , oder?

    Naja, schwer kranke Menschen werden irgendwann natürlich auch zu einer "Belastung", wenn sie Zuhause gepflegt werden, aber sie sind ja immer noch Menschen, die man liebt, die man geliebt hat, also aus der Sicht meiner Schwester. Deshalb trauert man ja trotzdem. Obwohl meine Schwester schon viel vorher angefangen hat, zu trauern, weil er eben mehr und mehr nicht mehr der war, der er vorher war.

    Ich selbst bin ihm durch seine Krankheit und teilweise Mitpflege ihm auch näher gekommen, aber er fehlte mir später nicht als Mensch wirklich, weil ich er mir in gesunden Zeiten nicht wirklich nahe war.

  • Zum Thema Trauer ein Bild aus dem Internet:

    Es geht mir unter die Haut.

    Mir auch, man kann die Emotion wirklich fühlen

    So wilde Freude nimmt ein wildes Ende,

    Und stirbt im höchsten Sieg, wie Feu'r und Pulver

    Im Kusse sich verzehrt. Die Süßigkeit

    Des Honigs widert durch ihr Übermaß,

    Und im Geschmack erstickt sie unsre Lust.

    Drum liebe mäßig; solche Lieb' ist stät:

    Zu hastig und zu träge kommt gleich spät. -William Shakespeare-

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